Eine Tüte steht auf einem Verkaufstresen

Mutig den eigenen Weg einschlagen – Fiedlers Fischmarkt

Doreen von Oesen-Klein 22. November 2019 

Koordinaten: Breitengrad 53,5106°, Längengrad 8,5783°. Standort: Fischereihafen Bremerhaven. Ein Stadtteil im Stadtbezirk Süd. Die maritime Erlebniswelt rund um Fisch und Meer. Mein heutiges Ziel: Fiedlers Fischmarkt. Ich mache mich auf den Weg in die sogenannte „Meile“, zum Schaufenster Fischereihafen, in den historischen Teil. 100 Jahre gibt es ihn schon, den berühmten Bremerhavener Fischereihafen. Ein ganzes Jahrhundert voller Erinnerungen und Geschichten. Familie Fiedler, die 1906 mit ihrem Fischgeschäft starteten, ist ein Teil davon. Ich bin für ein Interview mit dem Juniorchef Patrick Fiedler in dem urigen Café Fiedlers Kolonialwaren verabredet. Ich laufe an dem Museumsschschiff Gera vorbei und biege in die Fischpackhalle IV ein – vorbei an gehobenen Restaurants und kleinen Geschäften. So ziemlich am Ende, kurz vor dem Fischerdorf, welches auch von Familie Fiedler betrieben wird, mache ich Halt und werde schon empfangen. Ein Gespräch über Familientradition, den FC Bayern München und natürlich: Fisch.

Mach das, wozu Du Lust hast

Patrick Fiedler ist einer der erwachsenen Söhne von Hans Joachim und Brigitte Fiedler, die 1988 Fiedlers Fischmarkt im Schaufenster Fischereihafen gründeten. Drei Persönlichkeiten, die erst ihren eigenen Weg gingen, bevor sie in die Fußstapfen der Eltern traten. Patrick, der jüngste, absolviert zunächst eine Ausbildung zum Mediendesigner, besucht eine kaufmännische Schule und macht seinen Betriebswirt, um wenig später den Einzelhandel im Familienbetrieb zu betreuen. „Unsere Eltern gaben uns früh mit auf den Weg: Mach das, wozu Du Lust hast“, berichtet Patrick Fiedler. Und so machten die Brüder ihre Lehre zunächst außerhalb des Familienbetriebs – Koch in einer Sterne-Küche, IT-Kaufmann und Mediendesigner. Mit geballten Wissen, unterschiedlichen Stärken und Kompetenzen führen die Unternehmerkinder den Betrieb, heute in dritter Generation gemeinsam fort.

Ein einfacher Weg in den elterlichen Betrieb, den man von klein auf an kennt, einzusteigen – mag man meinen. Die Anfänge im Geschäftsleben waren aber alles andere als leicht, erinnert sich der Junior Chef Patrick Fiedler: „Ich war 20 Jahre jung und automatisch ‚Sohn des Chefs‘ den keiner ernst nimmt. Ich musste und wollte mir den Posten hart erarbeiten, um akzeptiert zu werden. Neben der täglichen Arbeit musste ich, genau wie alle anderen, auch mal putzen und die Mülleimer leeren“. Diese Erfahrung scheint wohl wichtig gewesen zu sein. Patrick Fiedler, der mittlerweile seit zwölf Jahren im Familienbetrieb tätig ist, wirkt bodenständig, freundlich und sehr offen.

Die Firma sitzt immer mit am Tisch 

Jede Familie ist individuell. Drei Brüder, drei Charaktere. Zusammenarbeit mit Vater und Mutter. Die Selbstständigkeit mit einem Familienbetrieb kann spannend sein und eine große Chance bieten, sich zu verwirklichen. Dennoch stellt sich die Frage: wie kann so ein Familienbetrieb erfolgreich funktionieren? „Indem jeder seine festen Zuständigkeiten und Aufgaben hat“, antworte Patrick Fiedler ohne Zögern. Eine gute Organisation, feste Absprachen und klare Regeln seien da ganz wichtig. Mutter und Vater Fiedler ziehen sich seit knapp zwei Jahren langsam aus dem betrieblichen Alltag zurück.

Tradition und Innovation

Das Familienunternehmen Fiedler ist nun seit vielen Jahren erfolgreich im Groß- und Einzelhandel tätig. Neben dem Fischmarkt gibt es zwei Restaurants, ein Selbstbedienungsrestaurant und ein Café. Für eines der Restaurants, die Räucherdiele, wird es nun eine Veränderung geben: ein Umbau zur „Kombüse“ speziell für Arbeitnehmer*innen der Region. „Wir planen hochwertiges, frisches und gesundes Essen, welches trotzdem bezahlbar ist“, so Patrick Fiedler, der die Neuausrichtung organisiert. Er freut sich über dieses Herzensprojekt: „Es wird für jeden etwas dabei sein – nicht nur Fisch.“ Laut Patrick Fiedler wird der Handwerksbetrieb –  trotz aller Innovationsbereitschaft – weiterhin traditionell produzieren.

Die Bremerhavener lieben Plattfisch

Patrick Fiedler selbst isst immer noch täglich Fisch, berichtet er. Damit es über die Jahre nicht langweilig wird, jeden Tag einen anderen. Fiedlers Fischmarkt deckt das Fischangebot von A bis Z ab und verkauft damit nicht nur Frischfisch und Räucherfisch. „Zu jedem Fisch gibt es bei uns die passende Soße, Würze und fachmännische Beratung“, erzählt er. Seine persönliche Empfehlung: Seehechtfilet. „Dieser Fisch ist super lecker und preiswert – nur nicht so bekannt. Die Bremerhavener hingegen trauen sich mehr an Plattfisch heran: Scholle, Ostseeflunder oder z. B. auch Limandes.“

Lebensgeschichten, treue und berühmte Stammkunden

„Im Fischmarkt kann man mit Kunden reden, wie nirgendwo anders. Locker, lustig und schnell per Du“, berichtet Patrick Fiedler am Ende unseres Gesprächs und verdeutlicht, warum er seinen Job so liebt. Viele der Kunden aus dem Hafen bleiben regelmäßig länger am Verkaufstresen stehen und berichten Anekdoten vom Schiff oder Erlebnisse aus ihrem Leben oder treue Stammkunden aus Süddeutschland kommen einmal im Jahr mit dem Wohnwagen in die Seestadt gefahren, um für einen gesamten Jahresvorrat einkaufen. Und nicht zu vergessen, die prominente Kundschaft: z. B. kauft der FC Bayern München regelmäßig über den Online-Versandhandel bei Fiedler ein.

ch bedanke mich für das nette Gespräch und habe direkt Lust auf Fisch bekommen.

Seehecht vielleicht? Bevor es für mich nach Hause geht, besuche ich noch einmal die Frischetheke und suche mir etwas für mein Abendessen aus.

Fiedlers Fischmarkt anno 1906
An der Packhalle IV Nr. 34
27572 Bremerhaven

Ladenöffnungszeiten:
Montag und Samstag 09.00 – 17.00 Uhr
Dienstag bis Freitag 09.00 – 18.00 Uhr
Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr

Anrede

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